Copilot Wave 4: Was sich für dein Unternehmen ändert

Stand: 6. Oktober 2026

Am 25. September 2026 hat Microsoft den Copilot grundlegend umgebaut. Microsoft selbst spricht vom „neuen Copilot“, in der Partner- und Fachszene hat sich der Name Copilot Wave 4 durchgesetzt. Die Ankündigung ist groß, die Liste der Neuerungen lang. Für dich als Entscheider ist aber vor allem eine Frage wichtig: Was davon kannst du heute nutzen, was kostet es, und was musst du jetzt vorbereiten?

Genau das klärt dieser Artikel. Ohne Marketing-Sprache, mit klarer Trennung zwischen „verfügbar“, „Vorschau“ und „angekündigt“.

Kernaussage: Copilot Wave 4 macht aus dem Copilot einen Arbeitsplatz mit drei Bereichen – Home, Code und Autopilot. Fast alles Neue läuft zunächst nur im Frontier-Frühzugangsprogramm oder als Preview, und die agentischen Funktionen werden zusätzlich zur Lizenz über Copilot Credits abgerechnet.

Wave 4 auf einen Blick

NeuerungWas sie machtStatus laut Microsoft
HomeChat und Cowork in einem StartbildschirmRollout über Frontier in den kommenden Wochen
Office in CopilotWord, Excel und PowerPoint direkt im CopilotRollout über Frontier
Automatisches RoutingCopilot entscheidet selbst zwischen Chat, Cowork und Code„Demnächst“, kein Datum
TodayProaktive Tagesübersicht aus Mail, Kalender, Teams und AufgabenPrivate Preview ab Oktober 2026
@Copilot in TeamsCopilot arbeitet mit dem gemeinsamen Kontext eines Kanals, Chats oder MeetingsPrivate Preview seit Ende September
CodeApps, Dashboards und Automationen per Sprache bauenFrontier ab Ende September, breiter Rollout in den Wochen danach
Copilot Managed RuntimeHosting für diese Apps im eigenen Microsoft-365-TenantPublic Preview
Autopilot (früher Scout)Dauerhaft laufender Agent mit eigener IdentitätPrivate Preview seit Ende September

Home: Schluss mit der Frage „Chat oder Cowork?“

Bisher musstest du im Copilot zwischen Chat und Cowork umschalten. Chat ist für schnelle Fragen, Recherchen und Entwürfe. Cowork ist für mehrstufige Aufgaben, die du abgibst und als fertiges Ergebnis zurückbekommst, etwa ein Kundenangebot oder ein Briefing.

Mit Home landen beide Modi auf einer gemeinsamen Startseite. Dort siehst du zuletzt bearbeitete Inhalte und kannst angefangene Arbeit fortsetzen. Microsoft hat außerdem angekündigt, dass Copilot künftig selbst entscheidet, ob eine Anfrage in Chat, Cowork oder Code gehört. Einen Termin dafür gibt es nicht. Plane deshalb nicht damit, bis es tatsächlich in deinem Tenant läuft.

Office in Copilot

Die eigentlich wichtigere Neuerung steckt in Home: Word, Excel und PowerPoint sind direkt im Copilot eingebaut.Fragst du nach einem Budgetmodell oder einer Präsentation, bekommst du eine echte, bearbeitbare Datei, keinen Text zum Kopieren. Kollegen können dieselbe Datei gleichzeitig aus den normalen Office-Apps bearbeiten.

Für die Praxis heißt das: Der Medienbruch zwischen „Copilot schreibt“ und „ich baue das Dokument“ fällt weg. Das ist ein echter Produktivitätsgewinn – vorausgesetzt, deine Ablagestruktur in SharePoint und OneDrive ist sauber. Sonst entstehen die neuen Dateien schneller, als jemand sie wiederfindet.

Today: Copilot wird proaktiv

Today ist eine persönliche Übersicht in Home. Sie zeigt, was du verpasst hast, was jetzt Aufmerksamkeit braucht und was warten kann. Antwortentwürfe, Terminverschiebungen und vergessene Follow-ups liegen dort schon vorbereitet bereit. Today startet im Oktober als Private Preview und soll später auch in Outlook und Teams erscheinen.

Einschätzung: Today kann nur so gut sein wie die Daten dahinter. Wer Meetings ohne saubere Transkripte führt oder Aufgaben außerhalb von Microsoft 365 verwaltet, bekommt eine lückenhafte Übersicht.

@Copilot in Teams und mehr Unternehmenskontext

Wenn du Copilot in einem Teams-Kanal, Gruppenchat oder Meeting erwähnst, arbeitet er künftig mit dem gemeinsamen Kontext und den Berechtigungen dieses Raums. Fragst du, warum eine Entscheidung gefallen ist, sucht Copilot die Begründung aus den bisherigen Unterhaltungen zusammen. Die Funktion ist in Private Preview.

Dazu kommt mehr Geschäftskontext: Copilot kann auf Power-BI-Datenmodelle zugreifen (über Fabric IQ) sowie auf Daten und Workflows aus Dynamics 365 und der Power Platform. Letzteres läuft als Public Preview an.

Code: Jeder Mitarbeiter wird App-Entwickler

Code ist der neue Bereich zum Bauen. Du beschreibst eine App, ein Dashboard oder eine Automation in normaler Sprache, und Copilot baut sie. Technisch basiert Code auf derselben Grundlage wie GitHub Copilot. Der generierte Code läuft in einer abgeschotteten Umgebung.

Damit diese Apps nicht irgendwo im Netz landen, hat Microsoft die Copilot Managed Runtime eingeführt. Das ist eine Hosting-Umgebung innerhalb deines Microsoft-365-Tenants. Laut Microsoft Learn bringt sie Anmeldung über Microsoft Entra, Conditional Access und DLP-Richtlinien mit. Alle dort gehosteten Apps erscheinen zentral im Microsoft 365 Admin Center – egal, ob sie in Cowork, Code, Copilot Studio oder mit Fremdwerkzeugen gebaut wurden.

Code löst nicht das Schatten-IT-Problem, es verlagert es. Die Apps liegen zwar sicher im Tenant, aber jemand muss sie pflegen, wenn der Ersteller das Unternehmen verlässt.

Das ist der Punkt, den viele Ankündigungen auslassen. Bevor du Code freischaltest, kläre: Wer darf Apps bauen? Wer ist für jede App verantwortlich? Und was passiert mit Apps, die niemand mehr nutzt? Wichtig für die Kalkulation: Laut Microsoft Learn kosten Apps auf der Managed Runtime Copilot Credits bei jedem App-Start und jedem API-Aufruf.

Autopilot: der Agent, der weiterarbeitet

Autopilot ist der neue Name für den Agenten, den Microsoft im Juni als Scout vorgestellt hat. Du gibst ihm einen Namen, eine Rolle und ein Ziel. Danach beobachtet er Kanäle, fasst bei offenen Threads nach, erledigt wiederkehrende Aufgaben und nimmt Projekte Tage später wieder auf. Er läuft in der Cloud, in deinem Tenant, mit eigener Identität. Autopilot ist in Private Preview; einen ausführlichen Blick darauf findest du in meinem Artikel [LINK Autopilot-Artikel].

Achtung bei der Begriffsverwirrung: Copilot Autopilot hat nichts mit Windows Autopilot zu tun, dem Werkzeug für die Gerätebereitstellung. Wer beides im Haus hat, sollte das in Richtlinien und Dokumentation sauber trennen.

Was Wave 4 kostet

Microsoft trennt die Abrechnung jetzt in zwei Spuren:

  • Lizenz pro Nutzer: deckt den Alltag ab – Copilot Chat, Copilot in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams, die Modellauswahl und den Auto-Modus.
  • Copilot Credits nach Verbrauch: für Cowork, Code, Autopilot und die neuen Spitzenmodelle. Code und Autopilot setzen zusätzlich eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz voraus.

In Unternehmens-Tenants passiert ohne Freigabe nichts: Erst wenn ein Admin eine Ausgaberichtlinie anlegt, werden Credits verbraucht. Die nutzungsbasierte Abrechnung rollt laut Microsoft im vierten Quartal 2026 aus. Die Details zur Umstellung habe ich hier aufgeschrieben: [LINK Billing-Artikel].

Ein Agent, der rund um die Uhr arbeitet, verbraucht auch rund um die Uhr Credits. Bei Autopilot gilt deshalb: erst Budget und Grenzen festlegen, dann einschalten.

Meine Einschätzung

Die Richtung stimmt. Office direkt im Copilot und Today lösen echte Alltagsprobleme. Die Managed Runtime ist die bisher konkreteste Antwort darauf, wie KI-gebaute Apps unter IT-Kontrolle bleiben.

Trotzdem ist Wave 4 vor allem eine Ankündigung der Richtung, kein fertiges Produkt. Drei Dinge solltest du nüchtern sehen:

  1. Fast nichts ist allgemein verfügbar. Home und Office in Copilot kommen zuerst über Frontier, Autopilot und Today sind Private Previews.
  2. Die Kosten werden schwerer planbar. Statt einer festen Lizenzsumme kommt ein variabler Verbrauchsanteil dazu. Wer keine Ausgaberichtlinien und kein Monitoring hat, erlebt Überraschungen.
  3. Agenten verstärken, was schon da ist. Ein Agent hält sich an die Berechtigungen, die du tatsächlich vergeben hast – nicht an die, die du eigentlich wolltest. Zu weit freigegebene SharePoint-Seiten werden mit Autopilot zum größeren Risiko.

Offen ist außerdem, wie es mit der EU Data Boundary für Code, Managed Runtime und Autopilot aussieht. Dazu habe ich bisher keine klare Aussage von Microsoft gefunden. Wer in Deutschland regulierte Daten verarbeitet, sollte das vor einem Pilotprojekt klären.

Was du jetzt tun solltest

  1. Berechtigungen aufräumen. Prüfe, welche SharePoint-Seiten und Teams zu weit offen sind, und setze Vertraulichkeitsbezeichnungen konsequent. Das ist die Voraussetzung für alles, was in Wave 4 kommt.
  2. Ausgaberichtlinien anlegen, bevor jemand Credits braucht. Im Microsoft 365 Admin Center unter Kostenverwaltung. Lege fest, welche Gruppen Cowork, Code und Autopilot nutzen dürfen und mit welchem Budget.
  3. Frontier nur mit Pilotgruppe. Wenn du früh testen willst, dann mit einer kleinen Gruppe und klaren Use Cases, nicht für alle.
  4. Regeln für Code festlegen. Wer darf bauen, wer verantwortet jede App, wann wird sie gelöscht?
  5. Netzwerk prüfen. Die Copilot-Web-App leitet auf *.cloud.microsoft um. Ist diese Domain bei dir gesperrt, funktioniert der neue Copilot nicht.

Wo dein Unternehmen bei diesen Punkten steht, zeigt dir unser KI-Readiness-Check. Wie eine strukturierte Einführung aussieht, liest du unter Copilot einführen.

Fazit

Copilot Wave 4 ist der größte Umbau des Copilot seit seinem Start. Aus dem Chatfenster wird ein Arbeitsplatz, der Dokumente erstellt, Apps baut und Aufgaben eigenständig weiterführt. Ob sich das für dich rechnet, hängt weniger an Microsoft als an deiner Vorbereitung: saubere Berechtigungen, klare Budgets und konkrete Anwendungsfälle.

Du willst wissen, welche Teile von Wave 4 für dein Unternehmen sinnvoll sind und was du vorher erledigen musst? Buch dir ein kostenloses Erstgespräch.

FAQ

Was ist Copilot Wave 4?

Copilot Wave 4 ist die große Copilot-Neuerung, die Microsoft am 25. September 2026 vorgestellt hat. Der Copilot bekommt drei Bereiche: Home (Chat, Cowork und Office in einem), Code zum Bauen von Apps und Autopilot als dauerhaft laufenden Agenten. Microsoft selbst nennt es „den neuen Copilot“.

Kann ich Copilot Wave 4 schon nutzen?

Nur teilweise. Home, Office in Copilot und Code kommen zuerst über das Frontier-Frühzugangsprogramm. Autopilot, Today und @Copilot in Teams sind in Private Preview. Die Copilot Managed Runtime ist als Public Preview verfügbar.

Was kostet Copilot Wave 4 zusätzlich zur Lizenz?

Die Copilot-Lizenz deckt Chat und Copilot in den Office-Apps ab. Cowork, Code, Autopilot und die neuen Spitzenmodelle werden über Copilot Credits nach Verbrauch abgerechnet. Credits fließen erst, wenn ein Admin eine Ausgaberichtlinie anlegt.

Ist Copilot Autopilot dasselbe wie Windows Autopilot?

Nein. Copilot Autopilot ist der frühere Agent Scout, der eigenständig Aufgaben weiterführt. Windows Autopilot ist Microsofts Werkzeug zur Bereitstellung von Windows-Geräten. Die Produkte haben nichts miteinander zu tun.

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