Letzte Woche lief in Las Vegas die InfoComm 2026 – die größte Pro-AV-Messe Nordamerikas mit über 750 Ausstellern und 46 eigenen KI-Sessions. Wenn du Teams Rooms betreibst, Meetings verantwortest oder gerade Copilot einführst, lohnt sich der Blick aus der Ferne. Denn die Botschaft der Messe war ungewöhnlich klar und sie trifft genau den Punkt, an dem die meisten Unternehmen heute scheitern.
Die zentrale Erkenntnis der InfoComm 2026: KI im Konferenzraum funktioniert nur so gut wie das Audiosignal, auf dem sie aufsetzt – der Raum wird vom Möbelstück zur Software-Plattform.
Ich habe die Ankündigungen für dich nach dem sortiert, was im Tagesgeschäft wirklich zählt – nicht nach Booth-Größe, sondern nach Relevanz für deinen Meeting-Alltag.
Microsoft auf der InfoComm 2026: vom Copilot-Feature zum agentischen Mitarbeiter
Die Eröffnungs-Keynote hielt Ilya Bukshteyn, Corporate Vice President für Microsoft Teams Calling, Meetings und Devices. Seine Kernaussage: Wir verlassen die Phase, in der KI ein nettes Feature in der App war – Diktat, Rauschunterdrückung, Bildausschnitt. Jetzt beginnt die Ära der „agentic co-workers“.
Der Unterschied ist mehr als Marketing. Bisherige KI reagierte: Sie unterdrückte Geräusche, folgte dem Sprecher mit der Kamera, transkribierte auf Knopfdruck. Agentische KI handelt vorausschauend – sie beobachtet den Kontext über die gesamte Meeting-Infrastruktur, startet Aktionen ohne Aufforderung und steuert mehrstufige Abläufe von der Terminplanung bis zum Follow-up.
Konkret angekündigt wurden unter anderem:
- Neue Skills für den Facilitator-Agent in Teams Rooms – mit Unterstützung vor, während und nach dem Meeting.
- IntelliFrame People Labels – Namensschilder im Raumbild, die Remote-Teilnehmern mehr Kontext geben, wer gerade im Raum spricht.
- Eine neue Meeting-Recap-App sowie Unterstützung für Erst- und Drittanbieter-Agenten direkt in Chats und Kanälen.
Der Satz, der für die AV- und IT-Welt zählte, kam nebenbei: Microsoft verkauft nicht mehr nur Teams-Lizenzen, sondern erklärt den Raum selbst zur Software-Oberfläche. Teams Rooms, Teams Phone, Copilot Studio und Microsoft 365 Copilot werden zunehmend als ein System beschrieben, das die physische Umgebung als Datenquelle nutzt.
Teams Phone bekommt Sprach-Agenten – der unterschätzte Hebel
Spannend für dich als Verantwortlichen für Vertrieb: Bukshteyn stellte neue Voice Agents für Microsoft Teams Phone vor. Der Teams Phone Agent übernimmt Routineanfragen, damit Mitarbeiter Zeit für höherwertige Gespräche haben. Über Microsoft Copilot Studio lassen sich eigene Sprach-Agenten für spezialisierte Aufgaben bauen – bis hin zu Transaktionen, die der Kunde am Telefon abschließt.
Warum das wichtig ist: Hybride Meetings sind ein Komfort-Thema, aber der Kundenservice liefert das sauberere Wirtschaftlichkeitsargument. Wenn ein Agent wiederkehrende Anrufe abfängt oder Bearbeitungszeiten verkürzt, ist der Return on Investment leicht zu rechnen. Teams Phone wird damit zum strategischen Keil in den Contact-Center-Markt.
Warum Audio auf der InfoComm 2026 zum eigentlichen KI-Engpass wurde
Hier wird es für jeden interessant, der schon einmal ein lückenhaftes Copilot-Protokoll in der Hand hatte. Headline-Partner der Messe war Shure – und die Audio-Hersteller lieferten die unbequeme Wahrheit zur agentischen KI-Euphorie.
Agentische KI degradiert oder versagt, wenn das zugrunde liegende Signal schlecht ist – kein noch so kluger Agent rettet ein Transkript aus einem halligen Raum mit schwachem Mikrofon.
Genau deshalb stellte Shure das neue Ceiling-Array-Mikrofon MXA925 als direkten Nachfolger des MXA920 vor. Das Besondere: drei KI-basierte DSP-Funktionen direkt auf dem Gerät – Denoiser, Deverb und eine deutlich aufgewertete akustische Echounterdrückung. Für Räume ohne ideale akustische Behandlung läuft diese Verarbeitung jetzt auf dem Mikrofon selbst. Hinzu kamen die IntelliMix Room Kits und das IntelliMix Foundation System, die laut Shure konsistentes, hochwertiges Audio liefern sollen – als „saubere Eingabe“ für KI in Meetings.
Das ist die Bestätigung meiner These aus jedem Beratungsgespräch: Die Reihenfolge lautet Raum, dann Audio, dann Transkript, dann Recap. Wer am Anfang dieser Kette spart, bekommt am Ende ein KI-Protokoll, dem niemand traut. Die Hersteller verschieben die KI-Rechenleistung nicht zufällig direkt ins Mikrofon – sie wissen, dass die Physik des Raums der limitierende Faktor ist.
AV trifft IT: Konvergenz war das zweite große Thema
Der rote Faden über alle Keynotes hinweg hieß Konvergenz. AV und Enterprise-IT sind kein getrennter Stack mehr. Die Frage auf dem Messeboden war nicht mehr, ob KI in AV-Systeme kommt, sondern wie schnell sich das ausrollen lässt, ohne das Netzwerk zu sprengen.
Aus den Sessions kristallisierten sich drei architektonische Voraussetzungen heraus, damit KI über tausende Räume hinweg zuverlässig läuft:
- Hardware-Qualität bei Audio und Video – enterprise-taugliche Mikrofone, DSP und Kameras, weil agentische KI bei schwachem Signal unterperformt.
- Netzwerk für AV-over-IP im Maßstab – hier wurden IPMX und der Broadcast-Standard SMPTE ST 2110 zu Schlüsselkompetenzen für Integratoren.
- Management ohne neue Komplexität – zentrale, IT-freundliche Verwaltung statt Insellösungen.
Auch andere Hersteller setzten hier an: HP stellte mit Poly Studio Room Compute eine Windows-basierte Engine für Microsoft Teams Rooms mit integrierter NPU für KI-Funktionen vor. MAXHUB zeigte seine AI Meeting Experience, Zoom einen adaptiven KI-Kameramodus, Cisco sein Konzept „Connected Intelligence“ mit der Idee „Distance Zero“.
Was die InfoComm 2026 für dich konkret bedeutet
Wenn du eine Sache aus dieser Messe mitnimmst, dann diese: Die KI-Lücke in deinem Unternehmen sitzt nicht in der Lizenz, sondern im Konferenzraum. Microsoft hat agentische KI für Teams Rooms angekündigt – aber sie entfaltet ihren Wert nur, wenn der Raum sie mit sauberem Audio füttert.
Mein Rat als Praktiker: Bevor du in die nächste Copilot-Lizenz-Stufe investierst, prüfe die Kette vom Raum bis zum Recap. Oft liegt der größte Hebel nicht in der Software, sondern in der Akustik und im Mikrofon. Genau diese Lücke zwischen IT-Verantwortung und AV-Realität lässt sich messbar schließen.
Wenn du wissen willst, wie reif dein Unternehmen für KI im Meeting wirklich ist, ist ein strukturierter KI-Readiness-Check der pragmatische Einstieg. Und wenn die Entscheidung für Copilot schon gefallen ist, hilft dir mein Vorgehen zum Thema Copilot einführen dabei, die technische Basis nicht zu überspringen.
Du willst die KI-Lücke in deinem Konferenzraum schließen?
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Häufige Fragen zur InfoComm 2026 und KI im Konferenzraum
Was war die wichtigste KI-Ankündigung auf der InfoComm 2026?
Die zentrale Botschaft kam von Microsoft: der Wechsel von reaktiven KI-Features zu agentischen KI-Mitarbeitern in Teams. Angekündigt wurden neue Skills für den Facilitator-Agent in Teams Rooms, Voice Agents für Teams Phone und IntelliFrame People Labels für mehr Kontext bei hybriden Meetings.
Warum war Audio auf der InfoComm 2026 so ein großes Thema?
Weil agentische KI bei schlechtem Audiosignal unterperformt. Headline-Partner Shure und andere Hersteller verlagern KI-Rechenleistung wie Denoiser, Deverb und Echounterdrückung direkt ins Mikrofon – etwa im neuen MXA925. Sauberes Audio ist die Voraussetzung für brauchbare Transkripte und KI-Protokolle.
Was bedeutet agentische KI für Teams Rooms?
Agentische KI handelt vorausschauend statt nur auf Befehl. Sie bereitet Meetings vor, erfasst während des Gesprächs Aktionspunkte und stellt danach Zusammenfassungen bereit. Der Konferenzraum wird damit zur Software-Plattform, die Daten und Kontext in das KI-System einspeist.
Lohnt sich Copilot ohne Investition in die Raumtechnik?
Selten. Copilot und andere KI-Funktionen sind nur so gut wie ihre Eingabe. Wenn Raumakustik und Mikrofon schwach sind, bleibt das Transkript lückenhaft und das KI-Recap unzuverlässig. Die Kette Raum, Audio, Transkript, Recap sollte vor der Lizenz-Investition stehen.
