Mehr als nur Protokolle: Wie der Microsoft Facilitator unsere Meeting-Kultur heimlich erzieht

Wie der Microsoft Facilitator unsere Meeting-Kultur heimlich erzieht

Mehr als nur Protokolle:

Wer glaubt, dass wir KI einführen, nur um Zeit zu sparen, der irrt sich. Zumindest teilweise.

Natürlich ist der Wunsch, „nie wieder Protokolle zu schreiben“, der Haupttreiber. Das merke ich in fast jedem Projekt: Sobald die Sprache auf den Facilitator oder Copilot kommt, leuchten die Augen, weil niemand mehr tippen will.

Das ist verständlich. Aber nach meinem intensiven Praxistest ist mir eines klar geworden: Die Zeitersparnis ist nur der nette Nebeneffekt.

Die wahre Revolution findet woanders statt. Der Facilitator ist kein Sekretär. Er ist ein Spiegel. Und was wir darin sehen, gefällt uns nicht immer.

Der „Erziehungseffekt“ der KI

Hast du schon mal ein KI-Protokoll von einem Meeting gelesen, das absolut chaotisch war?
Wenn fünf Leute durcheinanderreden, niemand ausreden darf und keine Agenda existiert, dann liefert auch die beste KI der Welt nur Datensalat.

Früher haben wir den Fehler beim Protokollanten gesucht: „Müller, warum hast du das nicht notiert?“
Heute sagt uns die KI gnadenlos objektiv: „Ich konnte das nicht notieren, weil ihr keine klare Entscheidung getroffen habt.“

Das führt zu einem Phänomen, das ich als „KI-induzierte Disziplin“ bezeichne:

  • Wir sprechen deutlicher (damit die Transkription passt).
  • Wir lassen andere ausreden (damit die Sprechererkennung funktioniert).
  • Wir fassen Entscheidungen laut zusammen (als „Prompt“ für die Zusammenfassung).

Die Technik zwingt uns also durch die Hintertür dazu, endlich die Meeting-Hygiene einzuhalten, die wir uns seit Jahren vornehmen. Das Tool erzieht uns zu besseren Kommunikatoren.

Die Elefanten im Raum: „Hört der Chef jetzt immer mit?“

Wenn wir Technologie in Besprechungsräume bringen, dürfen wir die Psychologie nicht vergessen. Gerade in der Beratung spüre ich oft eine unausgesprochene Angst bei Mitarbeitern:

„Wenn die KI alles aufzeichnet und analysiert – wird dann auch ausgewertet, wer wie viel redet? Oder wer nichts sagt?“

Die Antwort ist: Technisch ja, der Facilitator kann Redeanteile analysieren.
Und genau hier scheitern viele Einführungen. Es reicht nicht, die Lizenzen zu kaufen und den „On“-Knopf zu drücken.

Führungskräfte müssen hier proaktiv moderieren. Wir müssen erklären, dass der Facilitator ein Werkzeug für das Team ist, nicht für die Überwachung. Wenn wir diese Angst nicht nehmen („Psychological Safety“), werden die Mitarbeiter in Meetings verstummen oder wichtige Themen nur noch in der Kaffeeküche besprechen – dort, wo keine KI zuhört.

Die neue Rolle der Führungskraft: Vom Protokollanten zum Moderator

Wenn die KI das „Was“ (die Fakten) dokumentiert, können wir Menschen uns endlich auf das „Wie“ konzentrieren.

Viele Meeting-Leiter haben sich jahrelang hinter ihrem Laptop versteckt und mitgetippt. Damit ist Schluss. Wenn du den Facilitator nutzt, hast du plötzlich die Hände und den Kopf frei.

Deine neue Aufgabe ist nicht mehr Dokumentation, sondern echte Facilitation (Moderation):

  • Stimmungen wahrnehmen (Ist die Stille Zustimmung oder Resignation?).
  • Die Leisen im Raum aktiv einbinden.
  • Konflikte moderieren, bevor sie eskalieren.

Ironie, Sarkasmus und zwischenmenschliche Schwingungen versteht die KI (noch) nicht perfekt. Das bleibt unser Job. Und er ist wichtiger denn je.

Fazit: Technik ist einfach, Menschen sind komplex

Der Microsoft Facilitator ist ein mächtiges Werkzeug. Er kann uns Stunden an stupider Arbeit ersparen (wie genau, habe ich in meinen 5 Praxis-Tipps hier beschrieben).

Aber er ist kein Wundermittel gegen eine schlechte Unternehmenskultur. Wenn ihr euch vorher nicht zugehört habt, wird euch die KI das jetzt schwarz auf weiß beweisen.
Seht den Facilitator also nicht nur als Effizienz-Tool, sondern als Chance, eure Meeting-Kultur neu zu justieren.

Wie erlebst du den Einsatz von KI in Meetings? Fühlst du dich befreit oder überwacht?
Schreib mir deine Meinung gerne auf LinkedIn.