Wie ich meinen kompletten USA-Roadtrip mit einer KI geplant habe – und was ich dabei über KI im Alltag gelernt habe

Drei Wochen Südwesten der USA, von Las Vegas über Zion und Bryce Canyon, Moab, Page/Lake Powell, Grand Canyon bis zurück nach Los Angeles. Rund 3.000 Meilen, ein Dutzend Nationalparks, unzählige Aussichtspunkte – geplant habe ich das nicht mit einem Reisebüro, sondern mit KI-Unterstützung.

Angefangen habe ich mit Perplexity. Als Claude von Anthropic im Laufe der Planung immer leistungsfähiger wurde, bin ich umgeschwenkt und habe den kompletten Entwurf nochmal mit Claude überarbeitet und weiter verfeinert – von der groben Route bis zu den Tagesdetails.

Uns war von Anfang an wichtig, dass die Reise bequem bleibt: Strecken, die man mit dem Auto erfahren kann, Aussichtspunkte, die direkt am Parkplatz liegen, kein Programm, das den ganzen Tag mit langen Wanderungen füllt. Das ist in den amerikanischen Nationalparks ohnehin meistens problemlos möglich – die meisten der spektakulärsten Punkte liegen direkt an Scenic Drives. Genau das war für mich der Testfall: Kann eine KI eine wirklich individuelle, auf unseren Reisestil zugeschnittene Route planen – und mich dann auch noch unterwegs, live, bei spontanen Änderungen unterstützen?

Die Planung vorab

Die KI hat die komplette Route mit mir zusammengestellt: Hotels, Tagesetappen, Fahrzeiten, welche Nationalparks sich mit dem America-the-Beautiful-Pass abdecken lassen und welche nicht, welche Straßen tatsächlich asphaltiert sind und welche nicht. Auch ein praktisches, aber oft unterschätztes Thema wie Tankstopps haben wir gemeinsam durchgeplant – bei Reichweiten von 300–400 Meilen pro Tankfüllung und teils langen Strecken durch dünn besiedeltes Gebiet lohnt es sich, das nicht dem Zufall zu überlassen. Das war der erste große Mehrwert – nicht die grobe Reiseroute (die hätte ich auch aus einem Reiseführer bekommen), sondern die Feinabstimmung auf unseren Reisestil: bequeme, autofreundliche Stopps, Ketten-Restaurants, die wir kennen, ein Ablauf, der entspannt bleibt statt durchgetaktet.

Der eigentliche Mehrwert: Live-Anpassung unterwegs

Das Spannendere kam während der Reise selbst. Jeden Tag habe ich morgens oder abends kurz mit der KI gesprochen – über Wetteränderungen, Öffnungszeiten, Eintrittsgebühren, die sich unterwegs herausstellten, oder einfach, weil wir spontan Lust auf etwas anderes hatten.

Ein paar Beispiele:

  • Wetterbasierte Umplanung: Als sich für einen Grand-Canyon-Tag Regen am Nachmittag ankündigte, wurde der komplette Tagesablauf umgedreht – die Aussichtspunkte mit dem besten Weitblick zuerst, das Indoor-Museum als Nachmittagsprogramm, Rückfahrt vor dem Regen.
  • Spontane Routenänderung: Als wir kurzfristig beschlossen, unseren Sedona-Ausflug um einen Abstecher nach Scottsdale (Topgolf, Shopping) zu erweitern, hat die KI die komplette Logistik neu durchgerechnet – inklusive der Frage, in welcher Reihenfolge die Fahrzeiten und die Tageshitze im August am meisten Sinn ergeben.
  • Laufende Kostenkontrolle: Eintrittsgebühren für State Parks oder Day-Use-Bereiche in Nationalforsten, die nicht im America-the-Beautiful-Pass enthalten sind, wurden mir jeweils vorab genannt – das hat uns an mehreren Stellen unnötige Überraschungen vor Ort erspart.

Der ehrliche Teil: Wo die KI auch falsch lag

Und hier wird es aus meiner Sicht als Unternehmer interessant – denn eine reine Erfolgsgeschichte wäre nicht ehrlich. An mindestens zwei Stellen hat die KI mich in die falsche Richtung geschickt:

  1. Bei einer Fahrzeit-Berechnung wurden zwei Streckensegmente addiert, statt die direkte Route als Basis zu nehmen – das Ergebnis lag rund 40 Minuten über der tatsächlichen Fahrzeit. Erst als ich das selbst in Google Maps nachgeprüft habe, kam die Korrektur.
  2. Eine empfohlene „Bergstraße mit Aussicht“ bei Williams, Arizona, entpuppte sich vor Ort als unbefestigte Schotterpiste – wir mussten umdrehen.

Beide Fehler waren schnell korrigiert, sobald ich sie angesprochen habe. Aber die Lektion daraus ist eindeutig: Eine KI ist ein starker Co-Pilot, kein Autopilot. Wer sich blind auf die Angaben verlässt, ohne selbst gegenzuprüfen, läuft unterwegs Gefahr, in eine Sackgasse (im Wortsinn) zu geraten.

Mein Fazit für den unternehmerischen Alltag

Genau diese Erfahrung lässt sich eins zu eins auf den Einsatz von KI im Business übertragen, mit dem ich mich beruflich in Marketing und Vertrieb ohnehin täglich beschäftige:

  • KI ist hervorragend darin, große Komplexität schnell zu strukturieren – eine dreiwöchige Reise mit vielen Variablen (Wetter, Budget, Öffnungszeiten, Tankstopps) in Echtzeit im Griff zu behalten, wäre für einen Menschen allein deutlich aufwändiger gewesen.
  • Sie ist stark in der Personalisierung – nicht die generische Antwort, sondern die auf unsere konkrete Situation zugeschnittene.
  • Sie braucht aber weiterhin menschliche Kontrolle bei kritischen Fakten – Zahlen, Strecken, Kosten. Genau wie ich bei einem Mitarbeiter Stichproben mache, sollte man auch bei einer KI die kritischen Punkte gegenchecken.

Für mich war dieser Roadtrip auch ein kleines Praxis-Experiment: Wie weit trägt KI-gestützte Planung im echten Leben, mit echten Einschränkungen, echtem Wetter und echten Straßen? Die Antwort: erstaunlich weit – aber nur im Zusammenspiel mit einem Menschen, der mitdenkt und nachprüft.


Dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Erfahrung bei der Planung eines dreiwöchigen USA-Roadtrips mit Unterstützung von Claude (Anthropic). Kein gesponserter Beitrag.

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